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Gastkommentar für die MKZ von Sprecher Willi Kuper

Münchner Kirchenzeitung Nr.41 / 2015 vom 11.10.2015

“Was erwarten Sie von der Familiensynode?”

Auf der einen Seite bin ich von der Art und Weise begeistert, wie unser Papst Franziskus neu in der katholischen Kirche begonnen hat, dialogische Prozesse auf den Weg zu bringen.

Der Papst fragt seine Bischöfe und das ganze Volk zu Themen, die seit Jahren nicht wirklich offen in der katholischen Kirche diskutiert worden sind.

Es wird sogar ein Fragebogen erstellt, in dem das ganze Volk ihre Meinung sagen darf. Leider war der Fragebogen zu kompliziert und zu manipulativ.

Trotzdem – es weht ein neuer Wind im Vatikan.

Auf der anderen Seite bin ich davon enttäuscht, dass mir Gerüchte zu Ohren kommen, dass aus der ganzen Familiensynode nichts herauskommen wird. Da gibt es konservative Kräfte, die kaum eine Öffnung für eine neue Sichtweise von ganz verschiedenen Formen von Familie, von Sexualität und Empfängnisverhütung oder einen neuen Umgang mit Geschiedenen-Wiederverheirateten zulassen werden.

Für mich ist es keine Lösung, dass Geschiedene-Wiederverheiratete weiterhin im Zustand der Sünde gesehen werden und sie – ohne Trennung von Tisch und Bett – keine Kommunion empfangen dürfen.

Auch habe ich keine große Hoffnung, dass die Einstellung zu Menschen, die sich zu einem gleichgeschlechtlichen Partner hingezogen fühlen, von dem Stigma des Sündhaften befreit werden.

Der Ansatz einer Familiensynode gefällt mir außerordentlich, aber es wurde versäumt, Laien mit Sitz und Stimme in die Familiensynode von Anfang an dazu zu nehmen. Ganz anders war das bei der Würzburger Synode der Bistümer Deutschlands in den Jahren 1971-1975, Hier haben Kleriker und Laien um Lösungen gerungen. Laien wurden ernsthaft mit in die Entscheidungsprozesse hinein genommen, und dies wurde als Bereicherung gesehen.

Diese Signale vermisse ich im Vorfeld der Familiensynode.

So hoffe ich auf den Heiligen Geist, dass er trotz aller Widerstände die Familiensynode segnet und dass mehr herauskommt, als ich selbst befürchte.

Willi Kuper