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Brief an den Bischofsrat

Sehr geehrter Herr Kardinal Dr. Reinhard Marx,
sehr geehrte Mitglieder des Bischofsrates des Erzbistums München und Freising,

beim diesjährigen Jahresempfang des Erzbistums haben Sie angekündigt, in Kürze auf einer Klausurtagung ausführlich über die Situation und Zukunft der Pfarrverbände beraten und das Thema neu in den Blick nehmen zu wollen. Dies ist sehr zu begrüßen, da die neuen pastoralen Strukturen zwar manche Enge der „Territorial-Gesinnung“ von Gemeinden aufgebrochen, aber auch viele Gläubige von Kirche weiter entfernt und entfremdet haben; ganz zu schweigen von den vielen Priestern, die in den großen Seelsorgeeinheiten oft überfordert sind.

Das Zweite Vatikanische Konzil und die Würzburger Synode haben sehr deutliche Vorgaben für die Stärkung synodaler Strukturen und die verantwortungsvolle Einbindung der sog. „Laien“ gemacht. Unserer Meinung nach stehen der Kirche professionell gebildete, ehrenamtliche wie hauptamtliche „Laien“ zur Verfügung, deren Kompetenzen wie Charismen derzeit brach liegen bzw. in vielen Fällen nicht voll ausgeschöpft werden. Eine offene Diskussion über die Beteiligung aller am pastoralen Geschehen und der Erneuerung der Kirche erscheint uns daher dringender denn je.

Die am Zukunftsforum „Dem Glauben Zukunft geben!“ Beteiligten haben am Ende mit hohem Engagement 61 detaillierte pastorale Empfehlungen abgegeben. Daran wäre anzuknüpfen, vor allem an den Punkten: 3. Beheimatung und Gemeinschaft als Kernkompetenz der Kirche in einer globalisierten Welt, 5. Arbeitsfähigkeit der Kirche, 8. Kirche – Ort vielfältiger Lebensformen und 9. Kommunikationsfähigkeit als Kernkompetenz der Kirche.

Denn neues, zukunftsträchtiges und nachhaltiges Leben kann in der gegenwärtigen schwierigen Lage unserer Kirche u. E. nur erreicht werden:

  • durch die Stärkung synodaler Strukturen – mit gestuften Formen der Mitbestimmung (wie z.B. bei der Würzburger Synode);
  • durch eine verantwortliche Beteiligung aller, auch der sog. „Laien“, am Prozess einer „ecclesia semper reformanda“ und die Einbindung ihrer Charismen in das lebendige Leben von Kirche (auch das Charisma der Leitung – Röm 12.8 – wird nicht durch Weihe vergeben, sondern durch Gott) sowie
  • durch die Wertschätzung dessen, was jeweils vor Ort gewachsen ist oder noch am Wachsen ist. Das achtsame Umgehen mit den Traditionen der Ortsgemeinden ist für uns eine konkrete Form dessen, was Papst Franziskus in seinem Schreiben „Evangelii gaudium“ unter dem Grundsatz „gratia supponit culturam“ (ebd. Nr. 115, 116-121) anmahnte. Denn da geht es unserer Meinung nach nicht nur um die gewachsene „Kultur“ der großen verschiedenen Ortskirchen, sondern auch um die kleinen „Biotope des Glaubens“ der Ortsgemeinden, die Gottseidank jeweils etwas Spezifisches haben – was gerade den Reichtum von Kirche und echter katholischer Weite und Vielfalt ausmacht.

Wir sind überzeugt, dass sich unter solchen Prämissen viele finden werden, die bereit sind, mitzuarbeiten und sich in den neuen Prozess „pastoral planen“ verantwortlich einzubringen – wir, die drei unterzeichneten Reformgruppen, sind es.

Als Vorsitzender der Freisinger und der Deutschen Bischofskonferenz können Sie, Herr Kardinal, gemeinsam mit dem Bischofsrat ein wichtiges Zeichen setzen, das auch andere Bistümer stärkt, die schon jetzt neue Wege erproben wie die Bistümer Hildesheim, Trier und Würzburg.

Wir wünschen Ihrer Klausurtagung von Herzen den Beistand und Anstoß des Hl. Geistes!

Mit besten Grüßen im Namen der drei Reformgruppen

 

Willi Genal und Paul-G. Ulbrich, Gemeindeinitiative

Otto Wiegele, Willi Kuper und Hans-Jörg Steichele, drei der Sprecher des Münchner Kreises

Dr. Edgar Büttner und Franziska Müller-Härlin, Wir sind Kirche im Erzbistum München und Freising