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Brief an Kardinal bezüglich der Weltbischofssynode Oktober 2014

Betreff: III. Außerordentliche Vollversammlung der Bischofssynode in Rom Oktober 2014

 

Sehr geehrter Herr Kardinal,

 

in wenigen Tagen werden Sie in Rom bei der Bischofssynode zur Familienpastoral sein. Bekanntlich gab es im Vorfeld der Synode – auf Bitten von Papst Franziskus hin – auch für die Gläubigen (vor allem verheiratete Männer und Frauen) die Möglichkeit, zu den Fragen zu Ehe und Familie Stellung zu nehmen. Sie wurden unter der Überschrift „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung. Die Zusammenfassung der Antworten aus den deutschen (Erz-) Diözesen auf die Fragen im Vorbereitungsdokument für III. Außerordentliche Vollversammlung der Bischofssynode 2014“ im Internet veröffentlicht.

 

Wir halten dieses von der Deutschen Bischofskonferenz autorisierte Dokument für sehr klar und für eine gute und realistische Beschreibung der gegenwärtigen Diskussionslage in der katholischen Kirche unseres Landes. Wir sind sehr dankbar für die Veröffentlichung dieses hilfreichen Dokumentes.

 

Allerdings muss man wohl zugestehen, dass dieses Dokument der DBK dem kirchlichen Lehramt in diesen Fragen (Stichwort: „Verbotsethik“) kein gutes Zeugnis ausstellt. Es weist auf die große „Differenz zwischen den Gläubigen und der offiziellen Lehre vor allem hinsichtlich des vorehelichen Zusammenlebens, der wiederverheirateten Geschiedenen, der Empfängnisregelung und der Homosexualität“ hin. In dieser Zusammenfassung werden verständlicherweise nur den vielen konkreten pastoralen Bemühungen der ‚Kirche vor Ort‘ in den deutschen Diözesen große Zustimmung zugebilligt.

 

Wir finden nun gerade die Schlusssätze dieses offiziellen Dokumentes außerordentlich wichtig.

Es heißt dort: „Zuletzt kommt es auch in der Durchführung der Außerordentlichen Bischofssynode 2014 und der Ordentlichen Bischofssynode 2015 darauf an, die Eheleute und Familien tatsächlich als Subjekte der Ehe- und Familienpastoral ernst zu nehmen, sie in die Vorbereitungen aktiv einzubeziehen und sie an den Beratungen der Synode selbst in geeigneter Weise zu beteiligen“.

 

Wir teilen – wie viele in unserer Kirche – die Auffassung, dass so eine ‚Beteiligung‘ nicht nur in ‚Empfehlungen‘ an die Bischofskonferenz zu geschehen hat. Wir halten es für nicht mehr zeitgemäß und auch nicht dem Evangelium und der vielfältigen Tradition unserer Kirche entsprechend, dass ältere zölibatär lebende Männer alleine über wesentliche Fragen der Lebenspraxis von Familien entscheiden dürfen. Zwar werden sicher kompetente Laien in den Prozess einbezogen – davon gehen wir aus. Alles andere wäre höchst merkwürdig. Doch ihnen ist bisher unseres Wissens keine Teilhabe an den Entscheidungen zugesagt. Wirklich „Subjekt“ eines Prozesses ist nur der – und wirklich Stimme hat nur der, der auch mit abstimmen darf.

 

Sehr geehrter Herr Kardinal, ein Vorgänger in Ihrem Amt als Bischof der Erzdiözese München und Freising, Kardinal Julius Döpfner, hat es bei der Würzburger Synode der Bistümer Deutschlands (1971-1975) gewagt, öffentlich gewählte und kompetente Gläubige nicht nur als Berater und Beraterinnen – u. a. auch zu den damaligen Fragen des Problemkreises ‚Ehe und Familie‘ -anzufragen, sondern sie auch an den Entscheidungen in verantwortlicher Form zu beteiligen. Sein Schlussurteil fasste er kurz vor seinem plötzlichen Tod zusammen in den Worten: „Nicht wenige waren der Meinung, eine Synode könnte die Unsicherheit, Konfrontation und Verhärtung der Positionen innerhalb der Kirche nur fördern. Rückblickend darf man dankbar feststellen: Das Wagnis hat sich gelohnt.“ (Gem. Synode der Bistümer in der BR Deutschland, Freiburg 1976, S.7)

Es wäre unseres Erachtens ein großer Schritt, wenn gleich zu Beginn der Synode eine entschlossene Debatte darüber entbrennen würde, in welchem Maß den Laienvertretern echte Mitbestimmung zugestanden werden kann. Wir bitten Sie daher sehr dringlich, dieses Anliegen in die Synode einzubringen.

 

Aufgrund unserer Überzeugung, dass die Synode nur gelingen kann, wenn nicht nur Herz und Verstand dabei sind, sondern auch der lebendige Geist Gottes, möchten wir Ihnen versichern, dass wir diese Synode auch mit unserem Gebet begleiten werden.

 

Herzlich grüßen Sie die Sprecher des Münchner Kreises

 

 

 

gez. Dr. Hans-Jörg Steichele   gez. Otto Wiegele gez. Willi Kuper     Stefan Schori

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