Allgemein

Schreiben an die Müncher Bischöfe bzgl. Meßbuch-Neuübersetzung

Sehr geehrter Herr Erzbischof Reinhard Kardinal Marx,
sehr geehrter Herr Weihbischof Bernhard Haßlberger,
sehr geehrter Herr Weihbischof Wolfgang Bischof,
sehr geehrter Herr Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg,

aus Pressemeldungen ist zu entnehmen, dass das revidierte deutsche Messbuch in der Herbstversammlung der Deutschen Bischofskonferenz möglicherweise zur Verabschiedung auf der Tagesordnung steht.

In der Zeitschrift “Christ in der Gegenwart” Jg. 65, Nr. 11, S. 143ff. äußert Stephan U. Neumann unter der Überschrift “Messbuch Latein – nur auf Deutsch” starke Kritik an dieser Neuübersetzung, die eine einseitige Nähe zur Ausgangssprache Latein auf Kosten der Zielsprache Deutsch aufweisen und landestypische Traditionen eindämmen soll. Uns ist bewusst, dass die Vatikanische Gottestdienstkongregation dies gemäß der Instruktionen “liturgiam authenticam” von 2001 mit großem Druck gegen die Bemühungen der deutschen Bischöfe und Liturgieexperten um eine stilistisch bessere und sprachlich verständlichere Übersetzung durchgesetzt hat.

Wir teilen die Einschätzungen und Befürchtungen von Stephan U. Neumann uneingeschränkt. Gerade in der Frage der getreuen Übersetzung gilt das Wort des Apostels Paulus: “Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig!” Wir brauchen dringend eine Sprache, die heutigen Menschen hilft, den Dialog mit Gott zu führen und so aktiv an der Liturgie teilzunehmen. Unsere Liturgie krankt nicht daran, dass ihr Buchstabe zu weit weg wäre vom lateinischen Original. Das Gegenteil ist der Fall: sie ist oft weit weg von Sprache und Empfinden der Menschen und zu wenig poetisch und inspirierend.
Ein neues Messbuch, dass diese Schwierigkeiten statt sie abzuarbeiten noch verstärkt, wird von vielen Priestern aus Gewissensgründen abgelehnt und von den Gemeinden nicht akzeptiert und verstanden werden. Es wird nicht zu größerer Einheit in der Kirche führen, sondern Spaltung hervorrufen und Wildwuchs fördern.

Papst Franziskus hat in den wenigen Tagen seines Pontifikats deutliche Zeichen gesetzt, die auf ein kollegialeres Miteinander mit den Bischöfen und auf das Ende des überzogenen römischen Zentralismus hoffen lassen.
Als Kardinal hatte er sich zur Einheit in der Vielfalt folgendermaßen geäußert:
“In der Kirche bewirkt der Heilige Geist die Harmonie. Einer der ersten Kirchenväter schrieb, dass der Heilige Geist “ipse harmonia est”: er selbst ist Harmonie. Er allein ist zugleich Urheber der Einheit und der Vielfalt. Der Geist allein bewirkt Verschiedenheit, Vielfalt und gleichzeitig Einheit. Denn wenn wir es sind, die Verschiedenheit machen, kommt es zu Schismen, und wenn wir es sind, die die Einheit wollen, kommt es zur Uniformität und Gleichschaltung.”
“Das Ausharren im Glauben impliziert das Hinausgehen. Denn grade dadurch, dass man im Herrn bleibt, geht man aus sich selbst heraus. Paradoxerweise gerade dann, wenn man bleibt, ändert man sich, weil man gläubig ist. Man bleibt nicht gläubig, wenn man wie die Traditionalisten oder Fundamentalisten am Buchstaben klebt. Treue ist immer Änderung, Aufkeimen, Wachstum. Der Herr bewirkt eine Änderung in dem, der ihm treu ist. Das ist die katholische Glaubenslehre.”
(Quelle: http://www.30giorni.it/articoli_id_16590_l5.htm)

Darum wenden wir uns mit dem dringen Anliegen an Sie:
Setzen Sie das Neue Messbuch nicht in Kraft, sondern belassen Sie es bis auf weiteres bei der bisherigen Übersetzung – mag noch so viel Mühe aufgewendet worden sein.
Unterbreiten Sie Papst Franziskus das Problem in der Hoffnung, dass er den Diözesanbischöfen wieder das Recht zuerkennt, die ihnen übertragenen Aufgaben ohne Bevormundung durch die römische Kurie auszuüben.

Im Namen des Münchner Kreises

Albert Bauernfeind, Walter Hofmeister, Hans-Jörg Steichele, Christoph Nobs

Im Namen der Pfarrer-Initiative Deutschland

Pfarrer Karl Feser, Pfarrer Klaus Kempter

 

Den Brief im Original können Sie hier als PDF downloaden

 

Dr. Martin Mayer, “Brief an meinen Bischof – Reden über das, was wir glauben”

“Zeitgemäße Glaubenssprache”
BUCH-PRÄSENTATIONDr. Martin Mayer, “Brief an meinen Bischof – Reden über das, was wir glauben”
Dienstag, 16.04.2013, 20.00 h,Pfarrsaal St.Magdalena Ottobrunn
Georg-Kerschensteiner-Str.1
Eintritt frei; Veranstalter: Münchner Kreis und Gemeindeinitiative
Einladung zur Buchpräsentation – zeitgemäße Glaubenssprache. 

Im “Jahr des Glaubens” sind selbst mit einem neuen, aufgeschlossen wirkenden Papst nicht alle schwierigen Themen der Kirchenkrise automatisch vom Tisch. Wie steht es um unser Gottesbild, wie um die Glaubensinhalte? Themen, mit denen sich auch der Münchner Kreis und die Gemeindeinitiative essentiell auseinandersetzen und darin etwas voranbringen möchten. Diesen Fragen nachgegangen ist Dr. Martin Mayer in seiner Broschüre “Brief an meinen Bischof – Reden über das, was wir glauben”, die nun der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Dazu laden Sie der Münchner Kreis und die Gemeindeinitiative ein am  Dienstag, 16.April, 20.00 Uhr, im Pfarrsaal St.Magdalena Ottobrunn, Georg-Kerschensteiner-Strasse1 (2 Gehminuten vom S-Bahnhof Ottobrunn, mit S 7). Dr. Mayer gelangt zu der Überzeugung, dass die Krise der Kirchen wesentlich mit einem veralteten monarchischen Gottesbild zusammenhängt. Es wäre Aufgabe der Bischöfe, mit den Gläubigen zu reden, um die Lehren und das Handeln der Kirchen mit dem heutigen Weltbild wieder in Einklang zu bringen. Dr. Martin Mayer, wohnhaft in Höhenkirchen-Siegertsbrunn,, Jahrgang 1941, verheiratet, vier erwachsenen Kinder, römisch katholisch, schreibt zur Krise der Kirchen und zu seinem persönlichen Glauben an Gott. In seiner langjährigen Tätigkeit als Mitglied des Deutschen Bundestages hat Dr. Mayer viel mit Vertretern der Kirchen gesprochen und zusammengearbeitet.

 

Impulse von Papst Franziskus konkretisieren in unserer Erzdiözese München & Freising

Die mittlerweile 59 Priester und Diakone des „Münchner Kreis“ sehen ihre Anliegen durch Papst Franziskus in großem Umfang bestätigt. Die Anfragen und Vorschläge, die sie in einem offenen Brief vor der Papstwahl den sechs wahlberechtigten deutschen Kardinäle geschickt hatten, fanden in der Papstwahl ein gutes Echo. In einem Interview mit dem Münchner Merkur greift Kardinal Reinhard Marx den päpstlichen Impuls bereits für konkret für die Erzdiözese von München und Freising auf: „Franziskus fordert uns zur Selbstüberprüfung auf“ für eine bescheidene und einfache Kirche, die sich auf das Wesentliche konzentriere. Eine Kirche, die etwas zu sagen habe, und „nicht den äußeren Prunk in den Vordergrund stellt, sondern die Botschaft des Evangeliums“.

Die Sprecher des Münchner Kreises sehen nun neue Möglichkeiten eröffnet für die dringenden Reformanliegen, welche Kardinal Marx bereits vor einiger Zeit konkret auf die Diözese ausgerichtet erhielt in den 61 pastoralen Empfehlungen des Zukunfsforums, welche die einfachen Gläubigen und der niedere Klerus in einem mehrjährigen Bemühen zusammengestellt hatten. Im Rahmen einer päpstlich erwünschten Selbstüberprüfung werden die Reformen in unserer Diözese nun wohl intensiver als bisher angegangen. Deutlicher Wille des Vorkonklaves der Kardinäle ist die Stärkung der Ortskirchen im subsidiären Sinne, also in größerer Vielfalt, Freiheit und Eigenverantwortung. Damit sind nun auch für München neue Möglichkeiten eröffnet, die es auszuloten und einzufordern gilt auf diözesaner Ebene, in den Pfarreien, Bewegungen und Gruppen und schließlich auch von allen mündigen Getauften: nur reife, selbstbewusste Christen und Christinnen, die zu sich selber stehen, ihre Interessen kennen und einbringen, werden die Veränderungen herbeiführen, die im Rahmen des neuen Pontifikats von Papst Franziskus möglich sein könnten.