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Erklärung des NETZWERK MÜNCHEN

NETZWERK FÜR EINE ZUKUNFTSFÄHIGE KATHOLISCHE KIRCHE ERZBISTUM MÜNCHEN UND FREISING

Zum Rücktrittsangebot von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx
und dem Auftrag von Papst Franziskus weiterzumachen

Dem Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, gebührt großer Respekt, mit seinem Rücktrittsangebot eine konkrete Mitverantwortung für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten zu übernehmen. Mit seinem bemerkenswerten Schritt hat er Maßstäbe gesetzt, an denen sich auch die übrigen deutschen Bischöfe und Kirchenverantwortlichen messen lassen müssen. Schließlich ist Kardinal Marx keineswegs der einzige, der sich im Zuge der Missbrauchskrise und ihrer Aufarbeitung vorwerfen muss, den berechtigten Ansprüchen der Betroffenen, des Rechtsstaats und der demokratischen Gesellschaft, aber damit auch den Ansprüchen des Evangeliums nicht konsequent gerecht geworden zu sein.

Wir teilen die Sorge des ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, der auch den Synodalen Weg gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angestoßen hat, dass sich in den letzten Monaten eine Tendenz bemerkbar macht, die systemischen Ursachen und Gefährdungen wie auch die grundsätzlichen theologischen Fragen auszuklammern oder an den Rand zu drängen und die Aufarbeitung nur auf eine Verbesserung der Verwaltung zu reduzieren.

Die schnelle Antwort des Papstes, das Rücktrittsgesuch nicht anzunehmen, sehen wir zuvorderst als Rückenstärkung für Kardinal Reinhard Marx, sich hier in seinem Bistum und auf dem Reformkurs der katholischen Kirche in Deutschland auch weiterhin mit seiner Kraft und Kompetenz einzusetzen. Es ist ein Zeichen des Papstes, dass es mehr als eines personellen Wechsels vor allem eines mentalen, pastoral‐theologischen und spirituellen Wechsels bedarf.

Kardinal Marx hat in seiner ersten Erklärung angekündigt, jetzt zu überlegen, welche neuen Wege wir gehen können. Das Netzwerk für eine zukunftsfähige kath. Kirche erwartet jetzt konkrete Schritte und neue Standards für das Erzbistum München und Freising, damit wirkliche Bereitschaft zu Reformen erlebbar und ein Neuanfang spürbar werden:

  • Alle Missbrauchsverbrechen werden von Unabhängigen transparent untersucht und aufgearbeitet, Tatverantwortliche und Vertuschende werden ausnahmslos benannt und zur Verantwortung gezogen. Betroffene erhalten faire Ausgleichs‐ und Aufarbeitungsangebote.
  • Gemeinsam mit dem „Volk Gottes“ entsteht eine Vision für die zukünftige Pastoral und deren Strukturen, die sich an den Menschen und ihren Bedürfnissen orientiert – und nicht an der Menge der ständig abnehmenden Priesterzahlen.
  • Frauen nehmen grundsätzlich eine gleichberechtigte Position in allen kirchlichen Diensten und Ämtern ein. Nur wenn anerkannt wird, dass Männer und Frauen auch in der Kirche die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben, kann heute und in Zukunft die Botschaft Jesu glaubwürdig verkündet und gelebt werden.
  • Die kürzlich Kardinal Marx überreichte Petition zu neuen Befugnissen für alle pastoral Mitarbeitenden (predigen in Eucharistiefeiern, taufen, Eheassistenz, Beerdigungen) wird konsequent umgesetzt.
    In die Umsetzung sind alle in der Pastoral Tätigen einbezogen.
  • Caritative Organisationen und seelsorgliche Dienste werden in einen Strukturerneuerungsprozess einbezogen.
  • Leitungsverantwortliche der Erzdiözese setzen sich klar für die Veränderungen aus dem Synodalen Weg ein  und stellen sich gegen diskriminierende und rückwärtsgewandte Positionen innerhalb der kath. Kirche und des Kirchenvolks.

Diese Punkte gelten in ähnlicher Weise für alle Diözesen in Deutschland. Das Netzwerk für eine zukunftsfähige kath.  Kirche appelliert deshalb an die Deutsche Bischofskonferenz, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Teilnehmenden des Synodalen Weges:

  • Verstehen Sie den veröffentlichten Briefwechsel zwischen Kardinal Marx und Papst Franziskus als einen weiteren deutlichen Weckruf, in welch massiver Glaubwürdigkeitskrise sich die katholische Kirche nicht nur in Deutschland, sondern weltweit befindet!
  • Intensivieren Sie die Arbeit im Synodalen Weg, um die systemischen Ursachen geistlichen und sexualisierten Missbrauchs zu erkennen, zu beheben, Reformen voranzutreiben und mutig neue Schritte in die Zukunft unserer Kirche zu gehen!
  • Nehmen Sie die vielfältigen Impulse und konkreten Vorschläge für Veränderungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, der Würzburger und Dresdener Synoden und der vielen Diözesansynoden wie auch aus der theologischen Forschung und aus dem Reformbereich endlich auf – wie z.B. das Kirchen-VolksBegehren 1995, das Memorandum „Kirche 2011“, die „Osnabrücker Thesen“ des Jahres 2018, die Thesen Maria 2.0 aus dem Jahr 2021 und unzählige andere Positionspapiere und Beschlüsse!

Das Netzwerk für eine zukunftsfähige kath. Kirche sieht das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx auch als Signal an Papst Franziskus und an den Vatikan. Es braucht eine grundlegend bessere Kommunikation zwischen den Ortskirchen und dem Vatikan, der, wie Papst Franziskus sagt, vor allem eine dienende Funktion haben muss. Manche Anweisungen aus Rom wie zuletzt das Verbot der Segnung homosexueller Paare und die Verschärfung des Weiheverbots für Frauen blockieren die Zukunft der Kirche.

Das Netzwerk für eine zukunftsfähige kath. Kirche im Erzbistum München und Freising steht gerne mit Rat
und Tat bei der Umsetzung einer erneuerten Synodalen Kirche zur Verfügung, denn der Glaube an die Frohe
Botschaft gibt uns Hoffnung, auch auf eine spirituelle wie strukturelle Erneuerung der Kirche.

München, den 12. Juni 2021

Für das Netzwerk für eine zukunftsfähige kath. Kirche im Erzbistum München und Freising:
(im Kontakt mit anderen Verbänden, die sich bereits in ähnlicher Weise geäußert haben)

Dr. Edgar Büttner (Priester im Dialog, Wir sind Kirche)
Maria und Rudolph Berg (Wir sind Kirche, Maria 2.0 München)
Willi Kuper (Münchner Kreis)
Ulrike Leininger (Münchner Kreis)
Elisabeth Maier (Kommission Frauen im Kolping DV München und Freising)
Roswitha Merk‐Büchler (Katholischer Deutscher Frauenbund, Maria 2.0)
Rosi Mittermeier (Initiative Sauerteig)
Franziska Müller‐Härlin (Wir sind Kirche, Maria 2.0 München)
Sylvia Nazet (Diözesanverband Katholischer Deutscher Frauenbund)
Katrin Richthofer (Altcusanerin München, Maria 2.0 München, ND)
Marion Ringler (Münchner Kreis)
Dr. Dr. Wolfgang Rothe (Maria 2.0)
Barbara Schmidt (Theologin)
Sr. Susanne Schneider MC (OrdensFrauen für MenschenWürde, Maria 2.0 München)
Hiltrud Schönheit (Maria 2.0 München)
Stefan Schori (Münchner Kreis)
Renate Spannig (Maria 2.0 München, ND)
Christian Taufenbach (Altcusaner München, ND)
Paul‐G. Ulbrich (Gemeindeinitiative, Maria 2.0 München, Wir sind Kirche)
Christian Weisner (Wir sind Kirche, Maria 2.0 München)
Waltraud Werner (Diözesanverband Katholische Frauengemeinschaft Deutschland)

Pressekontakt:
Katrin Richthofer, Tel: 173 211 45 64, E‐Mail: katrin@richthofer.de
Renate Spannig, Tel: 0176 43 12 59 59, E‐Mail: renate.spannig@gmx.de
Paul Ulbrich, Tel: 0157 88 45 56 12, E‐Mail: ulbrich@gemeindeinitiative.org
Christian Weisner, Tel: 0172 518 40 82, E‐Mail: presse@wir‐sind‐kirche.de

 

Plakataktion zu Fronleichnam 2015

‚Heiße‘ Aktion am Fronleichnamstag in München

Unsere Gruppe, d.h. ca. 20 Mitglieder, Unterstützer und SympathisantInnen des Münchner Kreises und der Gemeindeinitiative, standen am sonnigen Fronleichnamstag während des ganzen Zuges auf der Höhe des Max-Joseph-Platzes mit unseren bunten Plakaten.

Da der Prozessionszug immer wieder anhielt, hatten die Prozessionsteilnehmer genügend Zeit, unsere 4 Plakate zu lesen. Auf ihnen stand – passend zum Corpus-Christi-Fest:

  • Der Leib Christi (= Kirche) leidet an übergroßen, beziehungslosen Gemeinden.
  • Der Leib Christi (= Kirche) spricht durch die Stimme aller ( 1 Kor 12). Deshalb: Sitz und Stimme auch für Laien in der Synode in Rom!
  • Warum ist im Leib Christi (= Kirche) kein Platz für: Wiederverheiratet-Geschiedene, verheiratete Priester, Homosexuelle…
  • Jesus spricht: „Bei euch aber soll es nicht so sein …“ (Mk 10,43). Deshalb: Schluss mit dem Machtmissbrauch durch Klerikalismus!

Immer wieder wurde Zustimmung uns gegenüber ausgedrückt, vor allem von den Leuten, die am Rand der Straße standen bzw. entlanggingen. Aber es gab auch manche deutliche Reaktionen von Leuten in der Prozession. Einige winkten sogar oder klatschten. Natürlich gab es auch einige wenige kritischen Reaktionen. Uns war es wichtig, darauf hinzuweisen: Der Tag des Corpus-Christi-Festes ist nicht nur der Tag der Eucharistie, die durch die Straßen getragen wird. Der Begriff ‚Corpus Christi‘ bedeutet seit Paulus auch die Gemeinde, die Kirche. Und die wird gegenwärtig nicht ‚hochgehalten‘, sondern die liegt in unserem Lande wahrhaftig im Argen.

Nach 11:30 Uhr bildeten wir dann einen Schweigekreis hinter dem Rathaus, auf dem Marienhof, beim U-Bahn-Aufgang – mit folgender Aufforderung: „Schweigekreis zum Corpus-Christi-Fest/ Fronleichnamsfest: Bitte, wer sich den Anliegen auf den Plakaten anschließen will, trete zum Kreis dazu – und wenn es nur für einen Augenblick ist“.

Schweigekreis

 

Unsere Plakate können sehr gerne für eigene Aktionen ausgeliehen werden! Bei PGR oder Dekanatskonferenzen, bei Dekanatsratstreffen oder einfach als eine Diskussionsveranstaltung in der Pfarrei können die Plakate verwendet werden. Bitte dazu einfach eine kurze Mail an:

info(ät)initiative-muenchner-kreis.de

 

Berichterstattung der SZ (im Teil: München / Stadtteil):

Wir bekamen übrigens auch Anerkennung durch die SZ, die am Freitag danach, dem 5.6., im Teil “München /Stadtteil“ auf S.11 unter einem großen Bild der Münchner Fronleichnamsprozession feststellte:

„Mehr als zehntausend Gläubige haben bei herrlichem Wetter mit ihrer Teilnahme an der traditionellen Fronleichnamsprozession ihre Zugehörigkeit zur katholischen Kirche demonstriert. Kardinal Reinhard Marx warnte beim Festgottesdienst, den G-7-Gipfel mit Erwartungen zu überfrachten. Nicht die Politik könne die Welt erlösen, gleichwohl sollten sich Christen auch politisch engagieren. Der Münchner Kreis und die Gemeindeinitiative taten es: mit kirchenkritischen Transparenten am Rande der Prozession„.

 

Gemeinsame Pressemitteilung der drei Reformgruppen

Gemeinsame Pressemitteilung der drei Reformgruppen Gemeindeinitiative.org, Münchner Kreis und Wir sind Kirche in der Erzdiözese München-Freising

Reformgruppen München: Überdenken der Pfarreireform dringend notwendig

Reformgruppen im Erzbistum München und Freising begrüßen, dass Kardinal Dr. Reinhard Marx und der Münchner Bischofsrat im August 2014 über die Situation und Zukunft der Pfarrverbände beraten und das Thema neu in den Blick nehmen wollen, wie Marx beim Jahresempfang des Erzbistums angekündigt hatte. Dies dürfe aber nicht hinter verschlossenen Türen geschehen. Die Münchner Reformgruppen erklären sich bereit, sich in den neuen Prozess „pastoral planen“ verantwortlich einzubringen.

Die bisherige Zusammenlegung zu XXL-Pfarreien und großen Pfarrverbänden habe zwar die Enge und Selbstbezogenheit mancher Gemeinden aufgebrochen, aber auch viele Gläubige von Kirche weiter entfernt und entfremdet, heißt es in einem Schreiben der drei Reformgruppen Gemeindeinitiative.org, Münchner Kreis (von Priestern und Diakonen) sowie KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche an den Bischofsrat.

Nach Meinung der Reformgruppen stehen der Kirche heutzutage professionell gebildete, ehrenamtliche wie hauptamtliche „Laien“ zur Verfügung, deren Kompetenzen und Charismen z.B. auch bei der Leitung von Gemeinden nicht ausgeschöpft werden. Auf der anderen Seite sind die immer weniger werdenden Priester in den großen Seelsorgeeinheiten mit Leitungs- und Managementaufgaben immer öfter überfordert.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) und die Würzburger Synode (1971-1975) haben sehr deutliche Vorgaben gemacht für die Stärkung synodaler Strukturen und die verantwortungsvolle Einbindung der sog. „Laien“ – auch in der Gemeindeleitung. Im Erzbistum München und Freising hat das von Kardinal Marx einberufene Zukunftsforum „Dem Glauben Zukunft geben!“ (2008-2010,   www.dem-glauben-Zukunft-geben.de) mit hohem Engagement 61 detaillierte pastorale Empfehlungen abgegeben, an die jetzt anzuknüpfen ist.

Prozess der Entheimatung muss gestoppt werden:

Die kürzlich veröffentlichte bundesweite Kirchenstatistik 2013 hat wieder dramatische Kirchenaustrittszahlen (verstärkt durch den Tebartz-von Elst-Effekt; www.wir-sind-kirche.de/?id=128&id_entry=5418) und einen weiter sinkenden Gottesdienst“besuch“ gezeigt. 

In der gegenwärtigen schwierigen Lage unserer Kirche kann ein neues, zukunftsträchtiges und nachhaltiges Glaubens- und Gemeindeleben nur durch eine offene Diskussion über die Erneuerung kirchlicher Strukturen erreicht werden. Dazu ist eine verantwortliche Beteiligung aller, auch der sog. „Laien“, am Prozess einer „ecclesia semper reformanda“ („ständig zu erneuernde Kirche“) erforderlich. Dies gilt in besonderer Weise auch für den Zuschnitt und die Leitung von Pfarreien.

Das achtsame Umgehen mit den Traditionen der Ortsgemeinden ist eine konkrete Form dessen, was Papst Franziskus in seinem Schreiben „Evangelii gaudium“ unter dem Grundsatz „gratia supponit culturam“ („die Gnade setzt Kultur voraus“, ebd. Nr. 115, 116-121) anmahnte. Als Vorsitzender der Freisinger und der Deutschen Bischofskonferenz sollte Kardinal Marx auch andere Bistümer bestärken, die schon jetzt neue Wege erproben wie die Bistümer Hildesheim, Trier und Würzburg.

P r e s s e k o n t a k t e :

Gemeindeinitiative.org (www.gemeindeinitiative.org):

Paul-G. Ulbrich

Willi Genal

Münchner Kreis (Priester und Diakone,  http://initiative-muenchner-kreis.de)

Pfarrer i.R. Dr. Hans-Jörg Steichele

Wir sind Kirche im Erzbistum München und Freising (www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=507):

Dr. Edgar Büttner

Franziska Müller-Härlin