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Gemeindeinitiative

Treffpunkt für mündige
und kritische Christen

Münchner Kreis

Eine Initiative von in der Pastoral
Tätigen in der Erzdiözese München

Wir sind Kirche

KirchenVolksBewegung
Deutschland

 
München, 20. April 2018

Offener Mahnbrief an die verzagt Wirkenden in der deutschen Kirchenleitung:

Einheit verlangt Respekt vor synodalen Beschlüssen und barmherzigen Umgang mit den Nöten der Menschen

 

Sehr geehrter Herr Kardinal Rainer Maria Woelki

Sehr geehrter Herr Erzbischof Ludwig Schick

Sehr geehrter Herr Bischof Wolfgang Ipolt

Sehr geehrter Herr Bischof Gregor Maria Hanke

Sehr geehrter Herr Bischof Stefan Oster

Sehr geehrter Herr Bischof Rudolf Voderholzer

Sehr geehrter Herr Bischof Konrad Zdarsa

und allen anderen Erzbischöfen und Bischöfen im deutschen diözesanen Leitungsdienst zur Kenntnis

Die römisch-katholische Kirche sieht sich in Deutschland, aber auch weltweit vor großen Herausforderungen, denen sie sich nicht entziehen darf. Eine zentrale Frage dabei ist, ob wir als Kirche den Mut finden, dem Anliegen Jesu gerecht zu werden und dem Geist seines Handelns zu folgen, damit für alle Menschen die Nähe und Zuwendung Gottes konkret erfahrbar wird.

Um dies als kirchliche Gemeinschaft konsequent zu leben, benötigt es mutigere Schritte des Weitergehens, als wir bisher wahrnehmen. Mit diesem offenen Mahnbrief gehen wir ein auf die aktuellen Diskussionen um den Entwurf der Pastoralen Handreichung „Mit Christus gehen – der Einheit auf der Spur. Konfessionsverschiedene Ehen und gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie“ und Ihr Schreiben dazu nach Rom.

Nach vielen Jahren des ängstlichen Bewahrens und Nicht-wahrnehmen-Wollens heutiger Lebenszusammenhänge erleben wir einen Papst, der mit seiner großen Seelsorgeerfahrung gewählt wurde, weil den meisten Kardinälen seinerzeit klar war: ein „weiter so“ ist kein fruchtbarer Weg in die Zukunft der Kirche.

Papst Franziskus nimmt seine Aufgabe als Pontifex, als Brückenbauer, sehr ernst. Aus gutem Grund sagte er zu Bischof Erwin Kräutler bezüglich brennender Problemfelder: „Macht mir mutige Vorschläge!“ Und aus ebenso gutem Grund versucht er einen offenen Diskurs in vielen Themen auf den Weg zu bringen, wie die vergangenen Bischofssynoden belegen.
Wir begrüßen sein Bemühen, jetzt die deutschen Bischöfe miteinander wieder ins Gespräch zu bringen und sie zu einem gemeinsamen Handeln zu bewegen.

Aber wo bleibt Ihr Mut als Verantwortliche in der deutschen Kirchenleitung angesichts der Not, die Menschen in konfessionsverbindenden Ehen seit Langem erleben müssen? Eine in Deutschland mit seinen beiden starken christlichen Konfessionen besonders deutliche Notlage! Warum lassen Sie sich nicht auf erste zaghafte Schritte ein, die Sie in der Bischofskonferenz sicher ausführlich diskutiert und abgewogen haben – Schritte, die für die meisten Betroffenen, aber auch viele andere Kirchenmitglieder längst überfällig sind und die vor Ort bereits eine lang geübte Praxis haben? Auch das sind Zeichen der Zeit, zu deren stets lebendiger Wahrnehmung das II. Vatikanische Konzil aufgerufen hatte. Warum gibt es nicht den Mut zum Experiment, zu Entscheidungen unter dem Zeichen der Vorläufigkeit und anschließender Erfahrungsbewertung? Und immer wieder ist auch zu überprüfen, ob frühere Entscheidungen der jeweils aktuellen Situation noch entsprechen. Das wären Schritte des lebendigen Weitergehens, gelebtes „semper reformanda“.

Einheit ist keine Einförmigkeit, sondern Einheit in Vielfältigkeit. Da kann es auch unterschiedliche Geschwindigkeiten in einzelnen Kirchenregionen auf der Erde geben. Entscheidend ist, was den Menschen und der Gemeinschaft jeweils förderlich ist. Es geht um  Barmherzigkeit, die den einzelnen Menschen wahrnimmt, und nicht in erster Linie um Gesetzes- und Traditionskonformität.

Selbstbewusste Verantwortliche ringen mit ihren mitverantwortlichen Brüdern im Bischofsamt um Lösungen auf Sicht. Besser wäre es noch, man hätte endlich den Mut, dieses und andere wichtige Themen in einer wirklich repräsentativ besetzten und mit gleichem Stimmrecht für alle Beteiligten ausgestatteten Synode aller Kirchenmitglieder zu diskutieren und zu entscheiden, wie seinerzeit vorbildlich bei der Würzburger Synode praktiziert. Das wäre ein guter Weg, zu ausgewogenen Ergebnissen zu kommen.

Völlig unverständlich und zu kritisieren ist, dass Mitglieder einer Bischofskonferenz nach einer ausführlichen Diskussion mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind und sich dann ängstlich nach Rom wenden. Sie sind eine Gemeinschaft, die sich auch in ihren unterschiedlichen Auffassungen respektieren sollte. Zu synodalem Verhalten gehört seit frühen Kirchenzeiten der konträre Diskurs und der Respekt vor gemeinsam gefundenen Ergebnissen. Mit Recht beruft sich die Kirche auf die Führung durch den Heiligen Geist. Warum aber trauen Sie ihm in dieser Situation nicht wirklich etwas zu? Wie sollen Menschen den Respekt vor ernsthaft errungenen Mehrheitsentscheidungen lernen, wenn Sie dies als gesellschaftliche Vorbilder nicht vorleben?

Generell fällt schon am Untertitel des Entwurfs der pastoralen Handreichung auf, dass man mit der Wortwahl „konfessionsverschieden“ statt „konfessionsverbindend“ das Trennende über Gebühr betont. Die in enger ehelicher Verbundenheit lebenden Partner praktizieren bereits ökumenische Gemeinschaft und sind für die Kirchen ein Modell zukünftigen Miteinanders.

Zentral ist die Feststellung, dass Jesus, der Christus, der wirklich Einladende ist und diese Einladung nicht von Zugeständnissen kirchlicher Verantwortungsträger abhängen kann. Ein Blick auf Jesu Praxis hilft sicher sehr weiter. Die „Einheit in Vielfalt“ als Zeichen der Zeit zu verstehen und zu verwirklichen, ist auch der Wunsch eines Großteils des Gottesvolkes.

An alle Bischöfe gewandt ist die Bitte, sich wirklich kritisch zu hinterfragen, ob im Hintergrund nicht letztlich die Frage von Macht, Einfluss und Amtsverständnis das Zentrum des Problems ist. Denn die Versuchung ist groß, Herren über den Glauben, das Denken und das Gewissen der Menschen sein zu wollen statt Dienende der Gemeinschaft auf dem Weg zu einer glücklichen Menschheit (Reich Gottes). Darin liegt, auch wenn Sie das nicht gerne hören werden, ein Zentrum der aktuellen Kirchenkrise. Warum nutzen Sie nicht endlich die vielen Zeichen der Zeit, um grundsätzliche Reformen auf den Weg zu bringen und mit dem Kirchenvolk in einen Diskurs einzutreten, was der Kirche in den Augen der Menschen neue Attraktivität verleihen und sie zum Mitwirken begeistern würde, statt sie immer mehr nach draußen zu treiben?

Jesus war ein mutiger Mann, dessen Aufbruchverhalten und Suchen nach dem Wesentlichen für gelingendes Leben aus einer tiefen Gottesbeziehung uns irgendwann alle einmal fasziniert hat. Dieses Feuer muss im Interesse unserer Glaubwürdigkeit in einer Menschheit, die sich selbst zu zerfleischen droht, sehr bald wieder gewonnen werden.

Mit geschwisterlichen Grüßen

P a u l – G.   U l b r i c h ,   W i l l i   G e n a l

Gemeindeinitiative.org

M a r i o n   R i n g l e r ,   S t e f a n   S c h o r i

Münchner Kreis

R e n a t e   L u i g ,   M a g n u s   L u x

KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche Deutschland

Kontakt:

Gemeindeinitiative.org: Paul-G. Ulbrich, Tel.: 0157-88455612, E-Mail: ulbrich@gemeindeinitiative.org

Münchner Kreis: Stefan Schori, Tel.: 089-82920673, E-Mail: stefan.schori@gmx.de

Wir sind Kirche: Magnus Lux, Tel.: 0176-41707725, E-Mail: lux@wir-sind-kirche.de

> Offener Mahnbrief der Reformgruppen zum Download (pdf)

> Quelle: Brandbrief der Bischöfe


 

 

Gibt es bald verheiratete Priester?

Gibt es bald verheiratete Priester?

Die Chancen auf eine Lockerung des Zölibats stehen unter Papst Franziskus so gut wie lange nicht mehr.

Der katholischen Kirche fehlen hierzulande die Priester – einer der Gründe ist sicher der Zölibat, die Pflicht, ehelos zu leben. Deshalb mehren sich die Stimmen, die Priesterweihe von verheirateten Männern fordern. Theologische Hürden gibt es dabei kaum.

Lesen sie den ganzen Artikel von Michael Hollenbach bei Deutschlandfunk Kultur

 

 

Auszug aus der Ansprache von Papst Franziskus am Ende der Familiensynode in Rom (24.10.2015)

heilung

„Heilung des Aussätzigen“ aus dem Echternacher Evangeliar

ein wahrhaft starkes Wort!

Der Papst sagte (Anm. d. Redaktion:  Die Worte des Papstes sind zum Teil fett gedruckt, um der einfacheren Lesbarkeit willen. Im Original sind sie nicht fett gedruckt.)

„Während ich die Arbeiten der Synode verfolgte, habe ich mich gefragt: Was bedeutet es für die Kirche, diese der Familie gewidmete Synode abzuschließen?

Selbstverständlich bedeutet es nicht, dass alle mit der Familie zusammenhängenden Themen zum Abschluss gebracht worden sind…

Es bedeutet, die Stimme der Familien und der Hirten der Kirche, die nach Rom gekommen waren,… gehört und zu Gehör gebracht zu haben

Es bedeutet, allen bezeugt zu haben, dass das Evangelium für die Kirche eine lebendige Quelle ewiger Neuheit bleibt, – ein Zeugnis gegen die, welche es ’indoktrinieren‘ und zu toten Steinen machen wollen, mit denen man die anderen bewerfen kann.

Es bedeutet auch, die verschlossenen Herzen entblößt zu haben, die sich oft sogar hinter den Lehren der Kirche oder hinter den guten Absichten verstecken , um sich auf den Stuhl des Mose zu setzen und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit – über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten.
Es bedeutet bekräftigt zu haben, dass die Kirche eine Kirche der ‚Armen vor Gott‘ und der Sünder auf der Suche nach Vergebung ist und nicht nur eine der Gerechten und der Heiligen – ja, eine Kirche der Gerechten und der Heiligen, wenn diese sich als Arme und als Sünder fühlen.

Es bedeutet versucht zu haben, die Horizonte zu lichten, … um die Freiheit der Kinder

Gottes zu verteidigen und zu verbreiten, um die Schönheit der christlichen Neuheit zu übermitteln, die manchmal vom Rost einer archaischen oder einfach unverständlichen Sprache überdeckt ist.

Auf dem Weg dieser Synode haben die verschiedenen Meinungen, die frei – und leider manchmal mit nicht gänzlich wohlwollenden Methoden – ausgedrückt wurden, zweifellos den Dialog bereichert…..und so ein lebendiges Bild einer Kirche dargeboten, die keine ‚vorgefassten Formulare‘ verwendet, sondern aus der … Quelle ihres Glaubens lebendiges Wasser schöpft, um den Durst der vertrockneten Herzen zu stillen.

Und – jenseits der vom Lehramt der Kirche genau definierten dogmatischen Fragen – haben wir auch gesehen, dass das, was einem Bischof eines Kontinentes als normal erschien, sich für den Bischof eines anderen Kontinentes als seltsam, beinahe wie ein Skandal herausstellen kann – beinahe!….was für einige Gewissensfreiheit ist, kann für andere nur Verwirrung bedeuten. Tatsächlich sind die Kulturen untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz – wie ich sagte: die vom Lehramt der Kirche genau definierten dogmatischen Fragen – jeder allgemeine Grundsatz muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll….

Und ohne der Gefahr des Relativismus zu erliegen oder auch jener, die anderen zu verteufeln, haben wir versucht, uns vollkommen und mutig der Güte und der Barmherzigkeit Gottes anzuschließen, die unsere menschlichen Kalküle übersteigt und nichts anderes will, als ‚dass   a l l e Menschen gerettet werden‘ ( 1 Tim 2,4)….

Liebe Mitbrüder, die Erfahrung der Synode hat und auch besser begreifen lassen, dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht jene sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern die, welche den Geist verteidigen; die nicht die Ideen, sondern den Menschen verteidigen; nicht die Formeln, sondern die Unentgeltlichkeit der Liebe Gottes und seiner Vergebung. Das bedeutet keineswegs, die Bedeutung der Formeln – sie sind notwendig – , der Gesetze und der göttlichen Gebote zu schmälern, sondern die Größe des wahren Gottes zu preisen, der an uns nicht nach unseren Verdiensten und auch nicht nach unseren Werken, sondern e i n z i g nach dem unbegrenzten Großmut seiner Barmherzigkeit handelt (vgl. Röm 3,21-30; Ps 130; Lk 11,37-54). Es bedeutet, die ständigen Versuchungen des älteren Bruders ( vgl. Lk 15,25-32) oder der eifersüchtigen Arbeiter (vgl. Mt 20,1-16) zu überwinden. Es bedeutet, die Gesetze und die Gebote, die für den Menschen geschaffen sind und nicht umgekehrt (vgl. Mk 2,27), noch mehr zur Geltung zu bringen“…

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Aus dieser Rede spricht wirklich der Originalton des Evangeliums, der Originalton Jesu, sowohl in seiner Barmherzigkeit wie auch in seiner Klarheit gegenüber seinen Gegnern. – ganz gemäß dem Namenspatron von Papst Franziskus, dem Franz von Assisi, der nur das eine wollte: „secundum formam evangelii zu leben“.

Und trotzdem ist diese Rede nicht naiv einseitig, sondern hält durchaus einer differenzierten Betrachtungsweise stand.

Sie spricht – ganz aufgrund der Erfahrung einer globalen Kirche – von der Ungleichzeitigkeit und Ungleichheit der Kulturen und von der Notwendigkeit, das Evangelium jeweils zu inkulturieren.

Sie spricht von der bleibenden Spannung zwischen Gesetz und Evangelium .

Aber es wird klar gestellt, worauf das ‚Achtergewicht‘ liegt und liegen muss:

Das ist Gott selbst,dessen Herz größer ist als unser Herz (vgl. 1 Joh 3,20), der a l l e  retten will
(in diesem Zusammenhang zitiert der Papst 1 Tim 2,4 – die Stelle, an der kurz darauf in V. 6 ihrerseits Jes 53,10-12 zitiert wird, wo vom „Lösegeld für die Vielen“ (vgl. Mk10, 45; Mk 14,24 par) die Rede ist , was in 1 Tim 2,6 richtig als „Lösegeld für a l l e “ interpretiert ist ), den wir nie einfach ‚haben‘, sondern zu dem wir immer erst unterwegs sind!

Deswegen passt es auch, dass der Papst an zwei wichtigen Stellen vom ‚versuchen‘ spricht und nicht schon vom ‚erreicht haben‘.

Die ganze Papstansprache finden sie hier auf den Seiten von Vatican.va